Unklarheiten über Beziehungsstatus
Sind wir ein Paar oder nicht? Es scheint immer schwieriger zu werden, sich auf einen Beziehungsstatus zu einigen. Woran liegt das? Die zentrale Annahme der Bindungstheorie ist, dass Menschen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter ein angeborenes Bedürfnis haben, enge Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen, insbesondere zu primären Bezugspersonen wie Eltern oder Pflegepersonen. Diese Bindungen dienen als emotionale Basis und schaffen eine sichere Umgebung, in der sich das Individuum entwickeln und die Welt erkunden kann.
Nach der renommierten Therapeutin Esther Perel und aus eigener Erfahrungen als praktizierende Paartherapeutin lassen sich verschiedene Gründe identifizieren, warum Menschen Schwierigkeiten haben, sich auf romantische Beziehungen einzulassen:
Welche Faktoren können die eigenen Emotionen hemmen?
1. Angst vor Verletzlichkeit: Viele Menschen haben Angst, sich emotional zu öffnen und verletzlich zu sein. Sie fürchten, verletzt oder enttäuscht zu werden und ziehen es vor, ihre Gefühle und Bedürfnisse zurückzuhalten, um sich selbst zu schützen.
2. Bindungsverletzungen in der Vergangenheit: Frühere Beziehungserfahrungen können Narben hinterlassen und das Vertrauen in romantische Partnerschaften beeinflussen. Menschen, die in früheren Beziehungen verletzt wurden oder unsichere Bindungsmuster entwickelt haben, können sich daher schwerer auf neue Beziehungen einlassen.
Sind die eigenen oder externen Anspruch zu hoch?
3. Individualität und Selbstentfaltung: In modernen Gesellschaften wird zunehmend Wert auf persönliche Entfaltung und Selbstverwirklichung gelegt. Manche Menschen befürchten, dass eine Beziehung ihre individuelle Freiheit einschränken könnte, und zögern daher, sich auf eine Partnerschaft einzulassen.
4. Hohe Erwartungen und Idealvorstellungen: Die Vorstellung von der “perfekten” Beziehung kann zu hohen Erwartungen führen, die nur schwer zu erfüllen sind. Menschen können Angst davor haben, sich auf eine Beziehung einzulassen, wenn sie das Gefühl haben, dass diese nicht ihren Idealvorstellungen entspricht.
5. Angst vor dem Unbekannten: Der Gedanke an eine langfristige Beziehung und die damit verbundenen Herausforderung, kann beängstigend sein. Manche Menschen bleiben deshalb lieber in ihrer Komfortzone und vermeiden es, sich auf das Unbekannte einzulassen.
6. Soziale und kulturelle Einflüsse: Gesellschaftliche Normen und kulturelle Erwartungen können die Wahrnehmung von Beziehungen beeinflussen. In manchen Kulturen oder Gesellschaften gilt beispielsweise ein bestimmtes Lebensmodell als erstrebenswert, was die Bereitschaft, feste Beziehungen einzugehen, beeinflussen kann.
Wie können Angst vor Identitätsverlust und Lebensziele die Beziehung beeinflussen?
7. Angst vor Identitätsverlust: Manche Menschen befürchten, in einer Beziehung ihre eigene Identität zu verlieren oder sich stark an den Partner anpassen müssen. Dies kann zur Scheu vor festen Beziehungen führen.
8. Karriere und Lebensziele: Der Fokus auf Karriere oder andere Lebensziele kann dazu führen, dass Menschen weniger Zeit und Energie für eine Beziehung aufbringen wollen oder können.
In meiner Arbeit ist mir deshalb besonders wichtig, diese Gründe gemeinsam zu erkennen und mit den Klient:innen daran zu arbeiten, ihre Ängste und Hindernisse zu überwinden, damit sie sich auf erfüllende Liebesbeziehungen einlassen können.